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Gedanken aus dem Pfarrbüro Advent 19 / Januar 20

9. Dezember 2019

Liebe Leserin, lieber Leser

Ich erinnere mich sehr gut daran, wie die Advents- und Weihnachtszeit für mich als Kind war: Herumtoben im Schnee, Schlitten- und Bobrennen durch das ganze Quartier, guetzli-backen, Samichlous suchen und Wunschzettel fürs Christchindli schreiben. Das Herz schlug hoch frühmorgens beim Aufstehen und Adventskalender-Türchen öffnen.

Höher schlug es nur noch beim Durchblättern des Franz Carl Weber Kataloges. Was gab es da nicht alles für tolle Sachen! Der Weihnachtsbaum stand schon Mitte Dezember im Wohnzimmer und wurde nach und nach geschmückt. Und am Sonntagabend versammelte sich die ganze Familie um den Adventskranz, es wurde eine Geschichte gelesen und Lieder gesunden. Die Erwartungen auf Weihnachten stiegen und wir konnten es kaum aushalten, bis es endlich Heiligabend war. Ach, war das schön! Die Erwartungen wurden erfüllt, wenn auch oft anders, als erhofft. An diese kindliche Freude denke ich immer wieder, wenn ich Kinder sehe, die gespannt auf Weihnachten warten.

Als junger Erwachsener war das alles nicht mehr so spannend, wie früher. Die Wünsche waren immer noch da, doch das Gefühl war nicht mehr dasselbe. Zwar wuchsen die Erwartungen auf das Weihnachtsfest nach wie vor, und doch war es irgendwie anders. Der „Weihnachtszauber“ veränderte sich – die Erwartungen an etwas ganz Spezielles, die blieben.

Oft haben wir Erwartungen: an ein Fest, eine Zeit, einen Gottesdienst, einen Anlass, einen Besuch oder einen anderen Menschen. Im besten Fall werden unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen, weil es so und sogar noch besser kommt, wie wir es uns erwünscht haben! Ein andermal werden sie nicht erfüllt und wir sind enttäuscht. Und dann gibt es aber noch die anderen Momente. Die, in denen wir grosse Erwartungen haben, es dann aber ganz anders kommt, als erhofft – anders, ja, aber deswegen nicht schlechter; vielleicht sogar besser.

Ich könnte mir vorstellen, dass dies den Hirten ähnlich ging. Jahrzehnte, ja jahrhundertelang warteten die Menschen auf den Messias, den grossen König, den Herrscher, den gerechten Spross aus dem Hause David, den Heilsbringer, der sein Reich aufbaut und gerecht herrschen wird. Wie hoch müssen da die Erwartungen gewesen sein, die sich über die lange Zeit aufgebaut haben.

«Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter (Jesaja 9,5; LUT2017)»

Der König kam auf die Welt. Womöglich anders, als erhofft und erwartet. Anders, ja – aber desswegen nicht schlechter.

So wünsche ich uns allen, dass unsere Erwartungen erfüllt, übertroffen oder sogar noch in besserem aufgehen werden. Und dass wir im ganzen Trubel immer wieder den Blick auf das neugeborene Kind, den König in der einfachen Futterkrippe im gewöhnlichen Stall richten können.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht

Markus Allenbach